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Grenadierkompanie im Infanterieregiment "Alexander Graf zu Wied"(A.D. 1737 - 1793)
Die Zeit:
Wir befinden uns etwa in der Mitte des 18. Jahrhunderts; also um das Jahr 1750. Es ist die Zeit des ausgehenden Barock, dem Rokoko. Namensgebend für diese Epoche sind wohl die stiltypischen Verzierungen dieser Zeit. ( Rocaille – Muschelwerk)
Die Kleidung:
Die Herren bei Hofe sind recht bunt in glänzende Stoffe gekleidet. Sie tragen Kniebundhosen (Culotte) und lange Westen mit bestickten Schößen, Schnallenschuhe und weiß gepuderte Perücken. Die Damen der Gesellschaft tragen ausladend gearbeitete und reich verzierte Reifröcke. Die Taille wird eng geschnürt. Aufwendige Lockenfrisuren und Stöckelschuhe sind der Mode letzter Schrei. Die Herren der städtischen Gesellschaft kleiden sich in Westenjacken aus Wollstoff. Der Dreispitz ist die Kopfbedeckung dieser Zeit. Vom Weibsvolk werden wadenlange grob gewirkte Kleider, Gürtel aus Leder oder Stoff und große Tücher als Schal getragen.
Das Umfeld:
Balthasar Neumann, Baumeister des Fürstbischofs von Würzburg baut seine berühmten Schlösser und Kirchen. Januarus Zick wird bekannt durch seine Deckenmalerei (u.a. im Engerser Schloss -Saal der Diana, Spiegelsaal-). Die Musik wird geprägt von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel. Gotthold Ephraim Lessing schreibt sein bis heute noch eines der meistgespielten Schauspiele „Minna von Barnhelm“. Schäferdichtungen und -spiele, in ihrer lyrisch-idyllischen Welt sind äußerst beliebt. Zwei Zeitgenossen, die mit ihren Geschichten Geschichte machen, sollten hier noch Erwähnung finden: Hieronymus Freiherr von Münchhausen und, wohl einer der ersten Europäer, Giacomo Casanova.
Sehen wir auf das politische Europa, so ist in Frankreich Ludwig XV., der unmittelbare Nachfolger des "Sonnenkönigs" an der Macht. England wird beherrscht von Georg II., König von Großbritannien und Irland. In Russland ist Zar Peter II. und nach seiner Ermordung seine Ehefrau Katharina die Große an der Macht, in Österreich Kaiserin Maria Theresia. In der neuen Welt, den englischen Kolonien von Amerika, sind erste Bestrebungen zur Erklärung eines unabhängigen Staatenverbundes im Gange, die bald von George Washington umgesetzt werden. In Preußen herrscht Friedrich II., auch "Friedrich der Große" genannt.
Die Heimat:
Im Rheinland, am Fuße des Westerwaldes herrscht seit 1737 Alexander Graf zu Wied in seiner gerade erst 100 Jahre jungen Residenzstadt Neuwied. Wie Stadtgründer Graf Friedrich zu Wied nimmt auch er in seiner Stadt Menschen jeder Religion, Nationalität und jeden Standes auf und schafft günstigste Bedingungen zum Land- und Hauserwerb bis hin zur Vergabe von "Lotteriehäusern", um seine Residenzstadt und sein nach über 100 Jahren noch immer unter den Folgen des 1648 zu Ende gegangenen 30jährigen Kriegs leidendes Territorium zu bevölkern. Das Privileg der durch gräfliches Edikt verbrieften Religionsfreiheit ist zu dieser Zeit ein äußerst ungewöhnliches Verhalten des wiedischen Regenten, gilt doch in beinahe allen übrigen europäischen Ländern und Territorien der Grundsatz"cujus regio, ejus religio". Danach richtet sich gemäss einer Bestimmung im Friedensvertrag von Münster ("Westfälischer Friede", 1648, zum Ende des 30jährigen Krieges) die Religionszugehörigkeit der Landeskinder nach der des Herrscherhauses.
Unter den Flüchtlingen, die aufgrund dieser Religions- und Meinungsfreiheit die wiedischen Lande und insbesondere die junge Stadt Neuwied bevölkern, befindet sich auch die aus dem hessischen Ort Herrenhaag (bei Büdingen) vertriebene "Brüdergemeine", zu deren bekanntesten Söhnen die Ebenisten
(Kunsttischler) Abraham Röntgen und dessen Sohn David gehören. Mit ihren bis heute weltweit berühmten Sekretären, Tischen, Sitzmöbeln und sonstigen Einrichtungsgegenständen beliefern sie alle europäischen Regenten von Paris bis zum russischen Zarenhof in St. Petersburg. Peter Kinzing, einer der bekanntesten Uhrmacher seiner Zeit, fertigt in seiner Neuwieder Werkstatt kunstvolle Uhren, die er meist in eigens hierfür geschaffene Möbelstücke der beiden Röntgens einbaut. Später finden Flüchtlinge der französischen Revolution Zuflucht in der toleranten Residenzstadt Neuwied, die von der Zeit der französischen Revolution bis zu den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Verlagsorte für Zeitungen, Zeitschriften und Bücher auf deutschem Boden. Alexander Graf zu Wied wird 1784 in den erblichen Reichsfürstenstand erhoben.
Die fürstlichen Truppen:
Um in seiner Grafschaft seine Truppen neu zu organisieren, bittet Graf Alexander seinen Bruder Prinz Carl von Wied, seines Zeichens Generalleutnat in Diensten Friedrich des Großen, um Hilfe. Nach seinem Rat werden die bestehende Kreiskontigent-Kompanie und die Haus-Grenadier-Kompanie zu einem Bataillon zusammengefasst. 1753 errichtet er noch ein zweites Bataillon, sodass die wiedischen Truppen auf Regimentsgröße anwachsen. Dieses Regiment besteht aus einer Grenadierkompanie und sieben Musketierkompanien. Im Gegensatz zu den Söldnerheeren besteht das wiedische Regiment aus Landeskindern. Andere werden nur gegen Stellung einer Kaution aufgenommen "weyl man ihrer Person in einer so offenen Orte wie Neuwied ansonst nicht hinlänglich versichert sey".
Jeder junge und gesunde Mann ist nach der wiedischen Landesverfassung zur achtwöchigen militärischen Ausbildung verpflichtet. Hiernach wird er unter Belassung der Uniform beurlaubt, jedoch zu späteren Übungen herangezogen. Nach der Rekrutenausbildung verbleiben in jeder Kompanie höchstens 40 Mann, die meistens auf Beförderung freiwillig weiterdienten oder mit einer späteren Anstellung im Staats- oder Gemeindedienst rechneten. Aufgrund der Musterungslisten kann das Regiment innerhalb 24 Stunden zusammengerufen werden.
Die Löhnung ist als gut zu bezeichnen. So erhält ein jeder zusätzlich zu Sold und Verpflegung täglich 2 Pfund Brot sowie alle zwei Jahre eine große Montur, halbjährlich ein Paar Schuhe, ein Hemd, ein Haar- und Halsband und alle drei Monate ein Paar Sohlen. Als Sonderzulage wird den Ledigen jährlich 4 Taler und den Verheirateten 6 Taler Quartiergeld gezahlt. Da die wiedischen Truppen fast nur aus Landeskindern bestehen, ist die eiserne Disziplin und die äußerst harten Strafen der Söldnerheere nicht notwendig. Während bei den Söldnertruppen Desertation mit Erschießen bestraft wird, verfügt Graf Alexander im November 1755 aus Anlass einer Fahnenflucht:"So wollen Wir aus besonderer Landesherrlicher Milde diesmal Gnade vor Recht ergehen und bey erfolgter wahrer Reuhe und Wiedererscheinung den vollkommenen Pardon angedeyhen lassen."
Die Grenadiere:
Die Grenadierkompanie wird befehligt von einem Capitain, einem Premierleutnant und zwei Leutnants. Die Truppe von ca. 40 Mann verfügt weiterhin über einen Feldwebel, einen Fahnenjunker, einen Tambour und zwei Pfeiffer. Diese Truppen ist zwecks ihrer täglichen Verfügbarkeit am Schloss kaserniert untergebracht. Gibt es keine besonderen Vorkommnisse, beschränken sich die Aufgaben der Grenadiere auf drei Bereiche: Sie stellen die Wache am Schloss, begleiten die Fürstenfamilie beim sonntäglichen Kirchgang und überwachen die Sperrstunde der Neuwieder Gaststätten.
Die Ehrengarde der Stadt Neuwied als historische Truppe:
Zur 300-Jahr-Feier der Stadt Neuwied kleidet das Wiedische Fürstenhaus eine Gruppe junger Männer mit originalgetreuen Uniformen der Wiedischen Grenadiere ein. Diese Gruppe stellt im Festumzug zum Stadtjubiläum 1953 einen historisch bedeutsamen Teil der Stadtgeschichte dar.
Dies ist die Geburtsstunde der Ehrengarde der Stadt Neuwied.
Ihre historische Rolle finden die Grenadiere der Garde in ihren dem Original getreuen Uniformen als Repräsentant der Stadt Neuwied bei den verschiedensten Anlässen wie z.B. Rheinland-Pfalz-Tagen, Städtepartnerschaften, Empfängen und historischen Festen. Bei diesen Gelegenheiten tragen die Damen Kleidung des Mittelstandes um 1750. So ist die Garde im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück "begreifbare" Stadtgeschichte.
Aufgrund ihrer besonderen Freundschaft zum Fürstenhaus zu Wied und der somit engen Verbindung ist "die Garde" regelmäßig im Schloss Neuwied zu Gast, um den dort stattfindenden Veranstaltungen und Empfängen einen besonderen und einmaligen Rahmen zu verleihen.
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